Riga im Winter

 

Altstadt und Moskauer Vorstadt

Würden die Menschen nicht lettisch sprechen, könnte Rigas Altstadt auch irgendwo in Deutschland liegen. Die Architektur und die Straßen, alles wirkt irgendwie bekannt.

Gar nicht weit weg von der Altstadt, direkt hinter dem Bahnhof beginnt die Moskauer Vorstadt. Hier hast du plötzlich das Gefühl, in einer ganz anderen Stadt zu sein. Jugendstilarchitektur weicht Holzhäusern. Viele sind schon ziemlich heruntergekommen, teilweise gar nicht mehr bewohnt und dennoch, es ist interessant, durch diese Gegend zu wandern. Auf den Straßen ist nichts los, kein Tourist in Sicht und in den grauen Winterhimmel ragt unübersehbar die Akademie der Wissenschaft.

 

Unweit des Bahnhofs liegt auch der Zentralmarkt. In mehreren riesigen Hallen werden hier Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte und Backwaren verkauft. In den Hallen selbst frage ich mich schon wer das alles kaufen, geschweige denn essen soll, aber rund um die Hallen gibt es noch einmal ein großes Areal voll mit Ständen, die alles mögliche verkaufen.

Das Essen kommt in Riga wirklich nicht zu kurz und damit ist nicht nur der Markt gemeint. Du könntest in Riga tagelang von Café zu Café ziehen und die wirklich unglaublich leckeren Backwaren probieren.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass es im Sommer noch viel schöner ist, wenn du überall draußen sitzen kannst. Die Preise sind hier extrem unterschiedlich, mal kostet der Cappuccino 1,50 Euro ein anderes Mal 3,10 Euro. Und auch die Restaurantpreise sind oft durchaus mit denen in Deutschland vergleichbar. Supermarkt und öffentliche Verkehrsmittel sind hier jedoch vergleichsweise günstig.

 

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Ein absolut toller Platz zum Entspannen ist das Tea house. Aber kein Ort für Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten, denn du kannst hier aus gefühlten 50 Teesorten auswählen.

Die Wände des Pavillons sind komplett aus Glas und wer über die kleine Wendeltreppe in die erste Etage geht, kann dort seine Schuhe ausziehen, sich entspannt auf den Boden setzen und sich gemütlich in die bunte Kissenmenge sinken lassen, dabei auf den Park schauen und Tee trinken.

Ausflüge und Transport

Wenn du von Riga aus mit dem Zug weiter in andere Städte fahren willst, mach dich auf vollen Einsatz deiner Körpersprache gefasst, denn einen Ticketautomaten auf Englisch gibt es nicht, also musst du am Schalter bestellen und hier spricht man auch nicht zwangsläufig Englisch. Zwei super nützliche Apps ist die für die lettische Bahn: Pasažieru vilciens und die für den Nahverkehr in Riga.

Vom und zum Flughafen kommst du zum Beispiel bequem mit dem Bus 222 oder 22 (2 Euro) oder mit dem Airport Express für 5 Euro.

Aber zurück zum Zugfahren. Bist du nicht gerade in Riga, haben viele der kleineren Bahnhöfe keine Ausschilderung der Gleise, geschweige denn Anzeigetafeln, wann wo der nächste Zug fährt. Also entweder vorher im Internet nachschauen oder am Bahnhof den Plan mit den Abfahrtszeiten suchen.

Wenn du immer schon einmal wissen wolltest, wie ein im Sommer von Touristen überfüllter Ort im Winter aussieht, dann fahre nach Jūrmala und du wirst eine absolut menschenleere Stadt vorfinden. Ich hatte fast das Gefühl man hätte die ganze Stadt evakuiert, denn ich bin wirklich nirgendwo einer Menschenseele begegnet, nicht einer! Schließlich habe ich gemütlich, trotz schlechtem Wetter ein wenig am Strand gesessen. Wann hast du schließlich schon einmal die Möglichkeit einem kompletten Strand ganz für dich alleine zu haben?

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Aber wie es der Zufall so will, haben sich später noch zwei andere Menschen an den Strand verirrt, zwei Deutsche. Eine von beiden lebt seit über zwei Jahren zum Studieren in Riga und erzählte, wie brechend voll der Strand im Sommer sei. Die beiden Mädels haben mich dann sogar noch mit dem Auto zurück nach Riga genommen und so gab es auf der Fahrt noch Tipps und Geschichten über Lettland.

Die Letten sind mir gelegentlich ein wenig zu schweigsam. Zum Beispiel stehe ich an der Supermarktkasse und allen fünf Kunden vor mir kommt beim Bezahlen weder ein Hallo noch ein Danke über die Lippen. Auch sonst habe ich die Letten eher zurückhaltend erlebt, nicht unfreundlich, einfach still. Die jungen Letten sind zumindest etwas konversationsfreudiger, meine Bekanntschaft aus Jūrmala meint dazu, dass die Letten mit den Temperaturen auftauen, also muss ich wohl im Sommer noch einmal wiederkommen.

3 Comments

  • Riga im Winter ist sicher auch ganz spannend und komplett anders als im Sommer http://peterstravel.de/lettland-riga-und-andere-sehenswuerdigkeiten/ Obwohl die Stadt dann gut besucht ist, macht es Spass mit dem Boot zu fahren, auf einen Kirchturm zu steigen oder durch das Jugendstilviertel zu schlendern…

    • Claudia sagt:

      Hallo Peter,

      ja, ich glaube auch, dass die Stadt im Winter komplett anders ist. Gut besucht war es nämlich eigentlich nirgendwo, als ich Anfang März da war. Deshalb möchte ich auch irgendwann noch einmal im Sommer wiederkommen.
      Ich überlege demnächst Mittelamerika zu reisen, dazu fand ich deinen Post „Von Costa Rica nach Panama zu den Bocas del Toro“ sehr informativ.

      Viele Grüße

      Claudia

  • Maria sagt:

    Wow! Dass Riga so schön ist, wusste ich bis jetzt gar nicht. Die Stadt stand auch überhaupt nicht auf meiner Liste. Jetzt ist sie vielleicht nicht auf den ersten Plätzen aber durchaus schon mal auf der Liste :)

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