Fuerteventura – Wandern durch wilde Einsamkeit

Meine Reise führt mich nach Corralejo an der Nordspitze Fuerteventuras. Noch nie war ich hier und doch kenne ich diesen Ort aus Erzählungen. Meine Eltern waren vor über 30 Jahren einmal dort. Als ich aus dem Bus steige, hat das Fischerdorf von damals jedoch wenig mit dem heutigen Corralejo gemeinsam. Gab es damals kaum ein Geschäft, spaziere ich heute gleich an mehrere Shopping Zentren vorbei. Auf 8000 Einwohner kommen 30 000 Betten für Touristen, von einem Dorf kann nicht mehr die Rede sein. Saßen in den 80er Jahren noch die schwarzgekleideten Großmütter mit Kopftuch  vor ihren Häusern und beäugten knapp gekleidete Reisende kritisch, scheint es jetzt auf den ersten Blick schwierig, überhaupt einen Einheimischen an der Strandpromenade anzutreffen. Ein Tourirestaurant reiht sich an das Nächste, vergeblich suche ich mein liebstes Spanisches Frühstück „Tosdadas con tomate“ dafür gibt es überall English breakfast.

 

 

Das erste Kennenlernen verläuft recht ernüchternd. Ich reise gerne, um die regionale Küche kennenzulernen, um mich mit Einheimischen zu unterhalten, um Neues zu entdecken, doch der Ort scheint aufgefressen von der Tourismusblase, die am Ende irgendwie alle Orte gleich aussehen lässt. Auch wenn noch einige schöne traditionelle Häuser in blütenreinen Weiß und kräftigen Blau die Küste säumen. Ich bin nicht nur zum Nichtstun hergekommen, sondern habe mir einen Schreibtisch im Coworking space gemietet, um täglich ein paar Stunden zu arbeiten. Glücklicherweise wohne ich in einer WG hinter dem Hafen. Auf meiner Straße ist es gemütlich und ruhig, das Touristenspektakel fast vergessen und ich finde sogar noch eine gemütliche Bäckerei, in der ich mein spanisches Frühstück bekomme.

 

 

Dennoch möchte ich raus aus der Stadt, in die Natur und wandern. Ich nehme den Bus (Nr.8) nach el Cotillo. Bzw ich mache mich als erstes auf zu einer kleinen Schnitzeljagd durch die Stadt, denn an den Bushaltestellen hängt hier entweder gar kein Fahrplan oder gleich die Fahrpläne aller Linien, obwohl diese gar nicht an der entsprechenden Station fahren. Siehe da, das Busplanchaos hat die Touristenmassen überlebt und ich find es irgendwie gut, denn für mich gehört ein bisschen Chaos einfach zum Reisen dazu.

 

Wandern von el Cotillo nach Punta de Taca

Nach 45 Minuten erreiche ich schließlich el Cotillo, ein verschlafenes kleines Städtchen ganz in weiß. Ein paar Restaurants tummeln sich am Meer, Geschäfte gibt es so gut wie keine. Der Busbahnhof entlockt mir jedoch ein Schmunzeln. Er ist so groß und modern, als ob die Stadt zehnmal größer wäre als sie ist. In Wirklichkeit fahren hier jedoch nur 2 Buslinien. Unweit des Busbahnhofs beginne ich meine Wanderung am südlichen Stadtrand von el Cotillo.

 

 

 

Zu meiner linken Vulkane und endlose unbebaute karge Landschaft. In weiter Ferne ziehen vereinzelte Autos Staubwolken hinter sich her. Zu meiner Linken erstreckt sich eine steile Felsküste. Ich stehe direkt an der Abbruchkante unweit des Turms El Tostón, einem Piratenausguck, der um 1700 errichtet wurde. Der Blick von hier ist magisch. Endlose feinste Sandstrände ziehen sich entlang der Felsküste. Das Meer ist glasklar, schimmert türkis und zaubert eine Traumwelle nach der anderen hervor, die Surferherzen höherschlagen lässt. Ich beginne den Abstieg zum Strand. Die Playa del Castillo ist fest in der Hand der Surfer, ich lasse mich in den Sand sinken und sehe ihnen eine Weile zu, bevor ich weiter am Strand entlangwandere, bis es nicht mehr weiter geht und ich meinen Weg zurück aufs Felsplatteau suche, um dort weiterzuwandern. Hier oben ist es einsam, menschenleer und wunderschön. Es gibt Orte, die mich sofort in ihren Bann ziehen und mich alles andere vergessen lassen, dieser gehört dazu.

 

 

Ich laufe weiter und sehe immer wieder Fellknäuele, die Felswände hoch und runter flitzen, bis plötzlich eins von ihnen, direkt vor meiner Nase Rast einlegt. Offensichtlich sind hier jede Menge Streifenhörnchen zu Hause. Zu meinen Füßen liegt ein weiterer Traumstrand, doch ich sehe nur vereinzelt Spuren im Sand und keine Surfbretter im Wasser, denn der Abstieg die Felswand hinhab, ist um einiges komplizierter als  beim vorangegangenen Strandabschnitt. So führt der Weg immer weiter, 10 Kilometer lang reiht sich ein Traumstrand an den nächsten, immer wieder unterbrochen von Teilstrecken auf dem Felsplatteau, die dem Strand in Punto Schönheit in nichts nachstehen. Bis ich schließlich den Punta de Taca erreiche und den gleichen Weg wieder zurück wandere.

 

 

Las Grandes Playas

Von El Cotillo fährt die Buslinie 6 nach las grandes Playas und hält vor der Türe zweier Bausünden aus den 70ern. Zwei riesige Hotelkomplexe mitten in den Dünen. In den 80er wurde die Bebauung der Dünen jedoch zum Glück verboten, so ist die restliche Natur vollkommen unberührt. Schnell lasse ich die Hotels hinter mir und damit auch die Menschen, bis um mich herum nur noch Sand ist. Nur vereinzelt sieht man hier und da jemanden durch die Berge von Sand wandern. Meterhoch türmen sich die Dünen auf, zur Linken umrahmt von der für Fuerteventura typischen Vulkanlandschaft, von rechts hört man das Meer rauschen und sieht es auch hin und wieder, wenn man eine Düne erklimmt. Es ist eine Wanderung der ganz anderen Art, die ich so noch nie gemacht habe. Hin und wieder mache ich eine Pause, blicke auf das Meer und setzte mich in den Schatten der riesigen Sträucher, die immer wieder etwas verloren wirken so mitten im Sand.

Wenn man sich von den Touristenhochburgen entfernt, gibt es wirklich einige wundervolle Flecken zum Wandern auf Fuerteventura.

Alle Buslinien und Fahrpläne findest du hier.

 

 

 

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