Es ist nicht so wichtig WAS du tust, sondern WARUM

Wie die Frage nach dem WARUM  Probleme aus dem Weg räumt und deine Beziehung zu anderen Menschen und zu dir selbst grundlegend verändert.

 

There’s nothing more intimate in life than simply being understood. And understanding someone else – Brad Meltzer

 

Der Moment, indem wir das Gefühl haben, jemanden wirklich zu verstehen, hat etwas Magisches.  Aus dem Nichts entsteht eine Intimität und ein Gefühl von Verbundenheit.  Nicht weniger faszinierend sind solche Momente, in denen sich das Chaos in unseren Köpfen plötzlich auflöst, all die Fragezeichen verschwinden, sich das Durcheinander aus dem Staub macht und  etwas, was uns schon lange beschäftigt,  auf einmal Sinn macht.

 

Was wirklichem Verständnis jedoch immer wieder im Weg steht, ist, dass die meisten Menschen viel zu selten nach dem WARUM fragen und sich stattdessen mit dem offensichtlicheren WAS zufrieden geben.

 

Malaga

 

Wir leben in einer Welt, in der wir andere oft durch das WAS definieren:

 

Was hat er für Hobbies?

Was macht er beruflich?

Was besitzt er?

Was hat er gerade zu mir oder über mich gesagt?

 

Manchmal leitet uns das WAS in die richtige Richtung, aber leider viel zu oft in die falsche.

Ich bin eine leidenschaftliche Reisende, ich schreibe, lese und zeichne gerne, mich interessiert Psychologie und alles was mit Logik zu tun hat. Jetzt weißt du einiges über mich und im Grunde genommen doch so gar nichts. Denn du weißt nicht, warum ich all diese Dinge gerne tue. Wenn du jemanden wirklich kennenlernen willst, macht das Warum den entscheidenden Unterschied.

 

Gerade auf Reisen ist mir besonders deutlich geworden, wie viele unterschiedliche Gründe es gibt auf Reisen zu gehen. Auf wie viele Weisen Menschen das Reisen verändern kann, aber eben genauso gut NICHT verändern kann.

Man kann die selben Länder bereist haben und ein und dieselben Dinge gesehen haben und dennoch könnten die subjektiven Erfahrungen nicht unterschiedlicher sein.

 

Manche suchen Erholung, andere laufen vor etwas weg und suchen nach Betäubung. Für die Nächsten ist Reisen das neue Statussymbol oder gar ein Wettbewerb, nach der Devise, wer hat in kürzester Zeit die meisten Länder bereist. Einige wollen Neues lernen, Neues entdecken, andere Kulturen möglichst nah erleben und verstehen oder in unberührter Natur unterwegs sein und neue Leute kennenlernen. Andere haben es am liebsten ganz wie zu Hause, bloß nicht zu viel Fremde in der Fremde. Die Sex und Party Touristen gibt es natürlich auch. Und natürlich gibt es auch die, die gar nicht wissen, warum sie eigentlich auf Reisen gehen, sondern dem wagen Glücksversprechen folgen, dass eine Weltreise sie zu einem glücklicheren Menschen macht.

 

Glueck_Mut3

 

Und hier kommt das Problem, jedes Mal wenn uns jemand von seinem WAS berichtet und wir nicht nach dem WARUM fragen, nehmen wir häufig einfach an, dass der Andere unsere eigenen Bewegründe teilt.

 

Das heißt, wir kennen das WARUM  des Anderen nicht und ersetzen es einfach mit unserem eigenen oder fantasieren uns sonst was zusammen. Solche Annahmen stehen dabei nicht nur einer echten Verbindung im Weg, sondern sind ausgezeichneter Nährboden für Missverständnisse und Enttäuschungen.

Immer dann, wenn Menschen dir Ratschläge geben oder dich verurteilen, ohne dein WARUM zu kennen und ohne den Versuch, die Dinge aus deiner Perspektive zu sehen, sagen sie mit dem was sie sagen tausend mal mehr über sich selbst aus, als über dich.

 

Wie oft ich schon von anderen gehört habe, „wie mutig von dir, dass du alleine reist!“ oder „fühlst du dich nicht einsam alleine auf Reisen?“ „Fühlst du dich nicht rastlos, wenn du so oft reist, möchtest du nicht mal ankommen?“

All das sagt nichts über mich aus, hingegen sagt es mir, dass die Person die fragt, es mutig findet alleine zu reisen und Angst vor dem alleine sein hat. Denn für mich ist es weder mutig alleine zu Reisen, noch fühle ich mich alleine. Für das Wort „ankommen“ gilt das gleiche, wie für das Wort „Reisen“ jeder versteht darunter etwas anderes. Für manche bedeutet es ein Haus zu kaufen und sich niederzulassen, für mich zum Beispiel heißt ankommen, bei mir selbst ankommen, das zu tun und das Leben zu führen, was mich glücklich macht. Dementsprechend erscheine ich für Menschen die ankommen mit sesshaft werden verbinden, wohlmöglich rastlos, obwohl ich das selbst nicht empfinde.

 

Mach dir also in jedem Gespräch klar, besonders in Streitgesprächen, sagt der andere gerade wirklich etwas über mich aus, oder nicht viel mehr über sich selbst?

 

P1030301

 

Was ich mit all dem sagen möchte, ist, indem wir lernen uns selbst und andere besser zu verstehen und besser zu kommunizieren, machen wir uns das Leben um so vieles leichter.

 

Wir hören auf, Dinge auf uns selbst zu beziehen, die überhaupt nichts mit uns zu tun haben, hören auf deswegen beleidigt zu sein, uns angegriffen oder missverstanden zu fühlen. Uns selbst und andere öfter nach dem WARUM zu fragen öffnet die Tür zu einem besseren Verständnis und stärkt unsere Verbindung zu uns selbst und anderen.

 

Wenn wir unsere eigenen Beweggründe kennen, hören wir auf, falschen Zielen hinterher zu jagen und erkennen leere Versprechungen, wenn wir sie sehen.

 

Wer nach dem Warum fragt, ist neugierig. Neugierde verurteilt nicht, weder dich noch andere und macht so echtes Verständnis möglich. Also lass das WAS nicht mehr einfach so im Raum stehen, sondern frag die Menschen, warum sie tun was sie tun, warum ihnen was am Herzen liegt etc.

 

Verständnis

 

 

Unsere Gesellschaft, Familie, Freunde und Medien laden bestimmte Begriffe mit Werten, Versprechungen, gar  mit einer ganzen Kette an Assoziationen auf. Geld, Wohnung, Kinder, Reisen, Beziehung, Schlanksein, guter Job, gute Noten, Sport, gesunde Ernährung die Liste ließe sich lange weiter führen. Ich bin mir sicher, jeder von uns hat bestimmte Assoziationen zu diesen Begriffen. Diese Assoziationen sind meist die Versprechungen, die wir mit dem Begriff in Verbindung bringen. Wir versprechen uns vom Erreichen des Ziels ein bestimmtes Gefühl, wie Glück, Zugehörigkeit, Freiheit, Liebe etc. Oft genug jedoch erreichen Menschen ihr Ziel und sind enttäuscht, dass sie sich nicht so fühlen, wie erhofft.

Der entscheidende Faktor, ob uns das Erreichen eines Ziels glücklich macht ist das WARUM.

 

Es ist wie bei einer Mathegleichung, stimmt das WARUM, geht die Gleichung auf, stimmt es nicht, erhältst du  ein Ergebnis, welches von dem gewünschten abweicht.

 

Was + Warum = Wie (du dich fühlen möchtest)

 

Life is the most difficult exam. Many people fail because they try to copy others, not realizing that everyone has a different question paper

 NYC

 

Nehmen wir den Jakobsweg als Beispiel, den ich im vergangenen Jahr gelaufen bin.

Was= Jakobsweg laufen

Ergebnis= Du möchtest dich gut fühlen/besser als bisher

 

Es gibt 1000 Gründe, warum Menschen diesen Weg wandern. Wenn dein WARUM z.B ist: du wanderst gerne, liebst Natur und Abgeschiedenheit, willst mal eine Pause von der digitalen Welt und eine Weile minimalistisch Leben, dann wirst du dich am Ziel vermutlich so fühlen, wie du es dir erhofft hast.

Ist dein WARUM hingegen du hast Filme gesehen und Bücher gelesen, in denen Menschen sich wunderbar gefühlt haben, nachdem sie diesen Weg gegangen sind und du willst das auch. Reflektierst aber nicht so richtig, ob das überhaupt etwas für dich ist. Dann wirst du nicht zwangsläufig das Ergebnis erhalten, was du dir erhoffst, denn du bist nicht die Anderen. Nur weil Andere etwas glücklich macht, heißt es nicht, dass es dich auch automatisch glücklich macht.  Wenn du nur am Ziel interessiert bist, aber keine Freude am Weg selbst hast, wird dich das Ankommen vermutlich auch nicht glücklich machen.

 

Bevor du dir Ziele setzt, frag dich zuerst, warum willst du das eigentlich? Was versprichst du dir davon? Und ist dieses Ziel wirklich der richtige Weg das zu erreichen? Die Antwort ist nicht immer eindeutig. Manchmal findest du auch erst auf dem Weg zum Ziel heraus, ob es etwas für dich ist oder nicht. In jedem Fall lohnt sich aber die Frage nach dem „Warum“

 

 

Kennst du meinen Gastbeitrag zum  Mut ist eine Form von Glück schon?

4 Comments

  • Gianna sagt:

    Toller Blogpost, der zum Nachdenken anregt! Danke dafür! :)

  • Liebe Claudia, ich fand deinen Post wunderbar und kann dem nur zustimmen. Wir brauchen uns nicht über das Was definieren. Ich würde allerdings noch ergänzen, dass neben dem Warum auch das Wie sehr entscheidend ist. Es ist egal, was wir tun, wenn wir es komplett, präsent udn aus vollem Herzen tun. Liebe Grüße!

    • Claudia sagt:

      Danke dir! Und ich kann dir nur zustimmen, das „Wie“ ist auch sehr wichtig! Es macht so einen großen Unterschied, ob wir uns ganz auf das einlassen, was wir tun oder nur halbherzig bei der Sache sind. Liebe Grüße!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>