Was mir das Alleinreisen beigebracht hat

Stell dir vor du gehst durch die Straßen einer fremden Stadt. Du verstehst die Sprache nicht, kennst dich nicht aus, kennst die Kultur nicht, das Essen nicht. Alles ist fremd, so als wärst du plötzlich wieder drei Jahre alt und müsstest lernen, wie die Welt um dich herum funktioniert. Du findest dich in Situationen wieder, für die keine Gebrauchsanweisung in deinem Kopf existiert und dir bleibt nichts anderes übrig, als dich auf deine Intuition zu verlassen.
Auf Reisen wird es immer wieder Situationen geben, die unbekannt für dich sind. Besonders das Unbekannte ist es, was viele vom Alleinreisen abhält.  Wenn da niemand ist, auf den man zurückgreifen kann, kann das beängstigend sein. Dann, wenn man ganz für sich alleine verantwortlich ist, komme was wolle.

 

Klingt nicht so verlockend?

 

Wenn du dich jedoch darauf einlässt, kann es zu einer Erfahrung werden, die deine Perspektive verrückt, dich bereichert und weit über die Reise hinaus Auswirkungen auf dich hat.
Denn das Reisen (besonders das Alleinreisen) trainiert etwas, was in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung findet und in unserem Alltag meist untergeht: Die Intuition und das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten.

 

 

In unserer Gesellschaft werden das Bauchgefühl oder die Intuition oft schlichtweg nicht ernst genommen. Schon mal versucht eine berufliche Entscheidung mit Bauchgefühl zu begründen? Eben! Vermutlich leben wir deshalb in einer verkopften Gesellschaft voller kleiner und großer Kontrollfreaks, die das Unbekannte meiden. Wir verstecken uns vor allem, was nicht planbar oder vorhersehbar ist. Denn uns fehlt das Vertrauen in uns selbst, dass wir auch solche Situationen meistern können. Eine Gesellschaft voll mit Perfektionisten, die Scheitern mehr fürchten als alles andere.

Das Problem daran? So leben wir ein Leben begrenzt von unserer Angst zu scheitern. Wir leben nur halb. Wagen uns nicht an die Verwirklichung unserer größten Träume, die womöglich von uns verlangen, dass wir uns einer Situation stellen, die unbekannt und somit nicht kontrollierbar ist.  Die Angst zu scheitern abzulegen, ist vielleicht eine der größten Herausforderungen überhaupt. Denn egal, wie sehr uns der Kopf sagt, dass  wir mal wieder maßlos übertreiben, das Ego befindet sich bereits im Panikmodus und tut wirklich alles, um sich seinen Ängsten ja nicht stellen zu müssen.

 

 

Hier kommt das Alleinreisen in Spiel. Ich nenne es die sanfte Entwöhnung für Kontrollfreaks. Denn egal wie gut du planst, du wirst dich irgendwann in einer Situation wiederfinden, die du nicht geplant hast. Vielleicht hat der Bus mitten im Nichts eine Panne, du musst dich mit Händen und Füßen verständigen, weil dich keiner versteht. Du hast dich vollkommen verlaufen, bist auf die Hilfe von Fremden angewiesen. Du musst dich in einer dir  fremden Kultur zurechtfinden, Situationen und Menschen intuitiv einschätzen, und und und. Das Reisen ist voll von Momenten, in denen deine Intuition gefragt ist. Und ja, es wird auch mal was schief gehen, ganz anders laufen als geplant. Solche Augenblicke sind gerade im ersten Moment unangenehm. Im zweiten stellen wir aber in der Regel fest, dass wir immer mit einem Plan B um die Ecke kommen. Das die verpasste Haltestelle vielleicht ärgerlich, aber kein Weltuntergang ist. Bis wir irgendwann entspannter werden, weil wir verstehen, dass es im Grunde kein Scheitern gibt. Es gibt nur Dinge, die anders laufen als geplant. Es liegt ans uns das Beste daraus zu machen und etwas daraus zu lernen.

 

You grow through what you go through

 

Reisen konfrontiert dich in einer gewissen Regelmäßigkeit mit unbekannten Situationen und wahrscheinlich wirst du zu deinem eigenen Erstaunen feststellen, dass du diese alle irgendwie meisterst. So lernst du etwas ganz Entscheidendes: Ich kann auf mich selbst vertrauen, ich kann darauf vertrauen, unbekannte Situationen zu meistern.

Bis du dich eines Tages wunderst, wovor du eigentlich damals so Angst hattest. Was dir früher mutig erschien, ist plötzlich etwas Selbstverständliches. Dieses Vertrauen in dich selbst ist ein Türöffner in allen Lebenslagen.

Jetzt wagst du es dein Leben genau so zu leben, wie du es willst. Tust Dinge, die du früher aus Angst zu scheitern immer vor dir hergeschoben hast. Jetzt bestimmst du, wo es lang geht und nicht deine Angst.

 

 

Intuition oder die neue Gelassenheit

 

Wenn wir in Situationen sind, in denen wir ganz auf unsere Intuition zurückgeworfen werden, weil wir keinen anderen Anhaltspunkt haben als unser Bauchgefühl, lernen wir automatisch diesem Gefühl mehr Beachtung zu schenken.

 

Und das ist wichtig!!

 

Intuition ist gefühltes Wissen und damit die Fähigkeit, spontan und unbewusst Sachverhalte und Situationen zu erfassen, Entscheidungen zu treffen und zu handeln

 

Zitat aus dem Buch „Trust yourself“ von Gianna Possehl  und Anke Meyer‑Grashorn. In diesem Buch findest du noch viel mehr zum Thema Intuition und Vertrauen in dich selbst. Inklusive Übungen, um deine Intuition zu fördern.

 

Unsere Intuition hat im Grunde in Sekundenschnelle bereits alle Antworten parat. Wenn wir jedoch die Zeit haben, nimmt unser Kopf dieses Gefühl gerne haarspalterisch auseinander, bis wir am Ende gar nicht mehr wissen, was wir am Anfang eigentlich gefühlt haben.

 

Auf Reisen haben wir oft nicht die Zeit darüber nachzugrübeln. Die Intuition entscheidet, ob wir diesem Fremden vertrauen oder nicht, ob diese Situation gefährlich werden könnte oder nicht.

Auf Reisen spielt die Intuition eine fundamentale Rolle. Wenn ich an einem fremden Ort bin und plötzlich ein ungutes Bauchgefühl habe, finde ich es wichtig, darauf zu hören. Ohne groß darüber nachzudenken verlasse ich den Ort. Unser Bauchgefühl weiß instinktiv was uns gut tut und was nicht, was wir brauchen und was nicht. Wer lernt auf sein Bauchgefühl zu vertrauen, hat sozusagen immer einen Kompass in der Tasche, der einen in der Regel unfallfrei und vor allem deutlich stressfreier durch das Unbekannte navigiert. Ein angenehmes Gefühl von Gelassenheit macht sich breit.

 

Reisen kann auch nicht zaubern

 

Ich sage gerne, alleine zu verreisen ist wie ein Buffet voll mit unendlichen vielen Möglichkeiten, neue Dinge zu lernen und zu wachsen. Doch was auf deinen Teller kommt entscheidest du. Wie und ob dich das Reisen verändert, hängt größtenteils von dir ab.

Manche Menschen scheinen vom Reisen Wunder zu erwarten. Als sei es ein Allheilmittel für all ihre Probleme. Allein das Wort Weltreise klingt für viele wie die ultimative Medizin. Als müssten sie sich nur in den Flieger setzten und all ihre Probleme blieben am Boden. Aber so funktioniert Reisen nicht. Reisen bietet dir unfassbar viele Möglichkeiten dein Leben zu verändern, aber du musst sie auch nutzen. Deine Perspektive ist entscheidend was du erlebst.

Neulich saß ich den Abend vor Weihnachten am Flughafen fest, es war nicht klar, ob der Flug geht oder nicht, niemand wusste von irgendwas. Es wäre ein leichtes solche Momente zu verfluchen und die ganze Gruppe mit seiner Panik und schlechten Laune anzustecken. Das gleiche funktioniert aber auch andersherum. Statt in schlechte Laune zu verfallen, halfen sich alle Fluggäste untereinander, hielten sich auf dem Laufenden, verliehen ihre Handys an Fremde und unterstützen sich wo sie konnten. Wenn ich jetzt an diesen Tag zurückdenke, war es zwar anstrengend, aber vor allem erinnere ich mich an Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Wie du Situationen erlebst, was du daraus machst und was du daraus lernst hängt von der Perspektive ab, die du wählst.

 

 

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4 Comments

  • Tine sagt:

    Liebe Claudia, das hast du sehr schön geschrieben. Ich stimme dir in allem nur zu. Ich war letztes Jahr 3 Monate allein unterwegs und es war großartig.

    • Claudia sagt:

      Liebe Tine,

      das freut mich sehr zu hören 🙂 und ich wünsche dir noch viele weitere tolle Erfahrungen auf deinen Reisen!

      Liebe Grüße

      Claudi

  • Mareike sagt:

    Liebe Claudia,
    ich bin tief beeindruckt von Deinem Mut, allein Deinen Weg zu gehen. Besonders in Deinem Alter und vor allem als Frau! Je mehr ich Deine Beiträge lese, ja fast verschlinge, wünsche ich mir nur einen Bruchteil davon. Dann könnte ich all die Orte der Welt aufsuchen, die in mir etwas zum Klingen bringen.
    Du hast so recht, dass wir uns gerne hinter Plänen verstecken und uns damit eigentlich um wertvolle Lebenszeit und ungeahnte Erfahrungen bringen. Wir hätten heute Möglichkeiten, von denen unsere Großeltern nur träumen konnten, aber nutzen sie nicht, aus Angst vor dem Unbekannten.
    Toll, was und wie Du das machst. Und danke für Deine so interessanten Impulse, spannenden Eindrücke und Tipps. Sie lassen den Wunsch in mir wachsen, meine (gefühlten) Grenzen zu überwinden. Sie werden mich begleiten, wenn ich aufbreche…
    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deiner (Lebens-)Reise, damit Du unbeschadet ankommst.
    Mareike

    • Claudia sagt:

      Liebe Mareike,

      vielen vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar! Ich habe mich wirklich sehr über dein Feedback gefreut, wie man so schön sagt „you made my day“ 😊 und ich bin glücklich, wenn ich mit meinen Texten den ein oder anderen Impuls geben kann. Ich wünsche dir für die Zukunft alles nur erdenklich Gute und dass du deine Träume nie aus den Augen verlierst und den Mut findest, sie wahr werden zu lassen.
      Liebe Grüße
      Claudia

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