Wie du die Angst zu deinem Verbündeten machst

Im ersten Teil dieser Reihe ging es um die Ursachen von Angst. Teil zwei hat sich damit beschäftigt, wie du aufhörst vor deinen Ängsten davon zulaufen. In diesem Post geht es nun darum, wie du dich deinen Ängsten stellst und dich nicht mehr von ihnen beherrschen lässt.

Bauch vs. Kopf

Angst ist ein starkes Gefühl!

Der Kopf weiß meist, dass es keinen Grund zur Panik gibt, doch „nur“ zur Sicherheit haben wir uns schon mal unter dem Bett verkrochen. Wenn es darum geht, unsere Ängste in ihre Schranken zu weisen, kommen wir mit logischer Argumentation oft nicht weit. Daher gilt: Wer Ängste loswerden will muss fühlen.

Werde dir der Gefühle bewusst, die Angst in dir auslöst. Bennene sie.

Als nächstes stell dir vor, du würdest keine Angst vor der Sache haben, über die du dir immer wieder den Kopf zerbrichst. Wie fühlt sich das an? Lass dich ganz auf diese Gefühle ein, schreibe auf, was du empfindest. Erleichterung? Kraft? Zuversicht? Verweile ein wenig in diesen Gefühlen und gehe noch einen Schritt weiter. Stell dir das vor, was dir Angst macht, aber begebe dich mit der Brille der positiven Gefühle in diese Situation. Würdest du anders handeln? Anders reagieren als sonst? Wärst du vielleicht mitfühlend, anstatt zu verurteilen? Oder zuversichtlich anstatt pessimistisch?

Denn was du dringend brauchst, ist eine neue Perspektive auf deine Ängste:

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. – Albert Einstein

 


 

Bewusst vs. Automatisch

Die meisten Gedanken in unserem Kopf laufen automatisch ab, ohne, dass wir sie bewusst wahrnehmen. So kann es sein, dass wir Angst empfinden, ohne genau sagen zu können, wie wir zu diesem Gedanken gelangt sind.

Schenke deinen Gedanken bzgl. einer bestimmten Situation bewusst Aufmerksamkeit. Werde dir klar, was du denkst, aber noch viel wichtiger: versuche die Stimmen in deinem Kopf zu unterscheiden. Was ist die Stimme des Egos, welche die des Herzens? In dem du die Position des Beobachters einnimmst, distanzierst du dich automatisch von deinem Ego und es kann dich nicht mehr in emotionale Überreaktionen verwickeln. Je mehr wir auf unser Herz vertrauen, desto schwerer hat es die Angst. Dazu mehr in Teil eins und zwei.

Was sagen z.B dein Herz und dein Ego, wenn du mit dem Gedanken spielst, zum ersten Mal alleine auf Reisen zu gehen?

Herz:  Ich will die Welt entdecken, neue Leute treffen, andere Kulturen, anderes Essen. Ich will mich selbst von einer anderen Seite kennenlernen, ich kann es kaum erwarten und freu mich!

Ego: Das Ego verschleiert gerne mal seine eigentlichen Beweggründe. Es kann es nicht leiden, wenn seine Schwächen bloßgestellt werden. Also würde es vielleicht sagen “ Ich bin einfach nicht der Typ fürs Alleinereisen, kann ich ja immer noch später machen, wenn jemand anderes mitkommt“ In Wahrheit fürchtet das Ego aber etwas ganz anderes, vielleicht hat es Angst vor dem Alleinesein. Vielleicht hat es auch Angst, die  Dinge auf Reisen alleine nicht geregelt zu bekommen, ihm fehlt es an Selbstvertrauen und es hat Angst, dass etwas schief geht und es damit nicht umgehen kann.

 


 

Vorstellungskraft & Fokus

Wir sind absolute Meister der Vorstellungskraft!

Angst und Mangel, sind genau wie Vertrauen und Fülle, im Grunde nichts anderes als eine Vorstellung, eine Annahme. Mal halten wir die eine, mal die andere für wahr. Wem wir Glauben schenken, hat jedoch einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben

The Secret of Change Is to Focus all of Your Energy, not on Fighting the Old, But on Building the New– Socrates

Ändere deinen Fokus und die Angst verliert an Macht.

Angst bringt uns dazu, uns auf das zu konzentrieren, was nicht so läuft wie wir es wollen. Wir konzentrieren uns auf die Illusion des Mangels.

Für mich ist Vertrauen das Gegenstück von Angst. In jeder Situation gibt es beides: Angst und Vertrauen, Mangel und Fülle, der Fokus entscheidet, was wir wahrnehmen.

What we see depends mainly on what we look for – John Lubbock

Ein Gedankenexperiment

Stell dir vor, es gäbe einen Raum, in dem alles wäre, was du mental und emotional brauchst. Das Gefühl gut genug zu sein, richtig zu sein, einfach alles, was du brauchst. In diesem Raum ist es jedoch stock dunkel.
Der Mensch, der diese Situation mit Angst betrachtet, kann nur den Mangel wahrnehmen. Er glaubt das alles was sich im Raum befindet nicht existiert, weil er es nicht sieht. Diese Wahrnehmung kann Verzweiflung oder Panik auslösen. Sie gibt uns das Gefühl machtlos und hilflos zu sein, denn in einem solchen Moment konzentrieren wir uns nicht auf unsere Möglichkeiten, sondern sehen nur was alles nicht möglich ist.

Wer in der gleichen Situation hingegen Fülle annimmt und Vertrauen hat, der glaubt, dass alles, was er will bereits in diesem Raum vorhanden ist, er es nur nicht sieht, weil das Licht aus ist. Er sieht Möglichkeiten, dort wo die Angst Probleme sieht. Er sucht nach Wegen Licht ins Dunkel zu bringen, ist aktiv und motiviert, was ihm ein Gefühl von empowermet gibt.

 


 

Mach dich frei von altem Balast

Es gibt schwierige und besonders schmerzhafte Zeiten und irgendwie scheinen wir keinen Ausweg aus dem Loch zu finden. Ängstliche Gefühle überschatten immer wieder die schönen. In solchen Momenten fragen wir uns, warum wir so feststecken, obwohl wir es doch gar nicht wollen.

Achte einmal genau auf deine Gefühle, denn nicht selten hinterlassen schmerzhafte Zeiten ihre Spuren indem sie auch positive Gefühle mit Schmerz überlagern = wir stecken fest.

Vielleicht kommt Hoffnung hoch, Freude auf oder wir beginnen wieder Vertrauen zu haben, doch dann grätscht unser Unterbewusstsein mit einer schmerzhaften Erinnerung dazwischen, mit dem Grundtenor “ diese postitiven Gefühle lohnen sich nicht, ich werde unweigerlich wieder verletzt“. Es gilt diese Gedanken zu erkennen und dagegen anzugehen. Dir selbst wieder zu erlauben Freude und Glück zu empfinden, selbst wenn das Leben gerade nicht so ist, wie du es dir vorstellst.

 

Sobald du deinen Fokus zu ändern beginnst und dein Ego besser von deinem Herz unterscheiden kannst, gilt es ins Handeln zu kommen. Nicht für alle, aber für viele unserer Ängste gilt:

Feel the fear and do it anyway

Und damit sind wir an der Stelle, an der die meisten von uns ins Straucheln geraten. Wie sich dem stellen was uns Angst macht?

Unsere Angst verschwindet oft nur dann, wenn wir  genau das tust wovor wir uns fürchten.

Klingt so wundervoll logisch, ist es auch und dennoch denken wir „mit deinen klugen Ratschlägen kannst du mir gestohlen bleiben„. Die Furcht zu Scheitern ist einfach zu groß. Sie lähmt uns.

Hier kommst meine Lieblingsfrage ins Spiel: „Warum“ verschwindet die Angst, wenn du genau das tust wovor du Angst hast? Halte einen Moment inne. Kannst du diese Frage so ohne weiteres beantworten?

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es uns ungemein schwerfällt Ratschläge zu befolgen, die wir im Grunde genommen nicht genau verstehen?  Deshalb versuche ich im Folgenden dir eine Idee davon zu vermitteln, warum die Angst verschwindet, wenn wir das tun, wovor wir uns fürchten.

 

angst stellen

 

Eine der wichtigsten Grundlage von Angst ist das Unbekannte. Angst stärkt sich und wächst aufgrund der Tatsache, dass uns Wissen fehlt. Wir wissen nicht, wie XY reagieren wird, wenn wir uns ihm gegenüber verletzlich zeigen, wir wissen nicht, ob wir in der Lage sind mit einem schweren Rückschlag umzugehen, wir wissen nicht, was passieren wird wenn…

In dieser Lücke des Nichtwissens, im Unbekannten lebt die Angst. Wir fantasieren uns zusammen, was passieren würde „wenn…“ und handeln oft nicht, weil wir fürchten, dass die Dinge nicht positiv ausgehen.

Angst, hat sich sein zu Hause im Unbekannten eingerichtet, indem wir aber genau das tun, wovor wir Angst haben, verschwindet das Unbekannte und wird durch etwas Reales ersetzt. Indem das Unbekannte verschwindet, verschwindet auch die Angst. Endlich können wir aufgrund von realen Begebenheiten handeln, anstatt auf Grundlage unserer Annahmen und Vorstellungen.

Das Unbekannte durch Nichthandeln zu überwinden, ist wie Schwimmen lernen an Land, es funktioniert nicht.

Das Unbekannte, aus dem die Angst ihre Kraft zieht, kommt häufig auch in Form von fehlenden Fähigkeiten daher. Uns fehlen bestimmte Kenntnisse und Erfahrungswerte, die wir bräuchsten, um uns angstfrei einer Situation zu stellen. Die fehlenden Erfahrungen, können wir nur durch HANDELN erlangen.

Jetzt denkst du vielleicht, schön und gut, aber was, wenn sich durch mein Handeln, meine Befürchtungen tatsächlich als wahr erweisen?!? Warum zur Hölle, sollte ich dann trotzdem handeln?
 
 
ängste loswerden
 

Beseitige deine falschen Assoziationen über den Zusammenhang von Glück, Scheitern und Angst

Es gilt einen Fehler in unserem Denken zu erkennen: Wir denken, eine Handlung ist nur dazu da, uns zu einem von uns gewünschten Ergebnis zu bringen.

Wir glauben, das Ergebnis ist es, was alleine über unser Glück entscheidet. Folgerichtig wäre eine Handlung nur ihre Sache wert, wenn sie uns zum Wunschziel führt.
Dabei steckt ein viel größerer Teil des Glücks an einer ganz anderen Stelle: im Handeln selbst. Denn, wenn wir den Mut aufbringen das zu tun was wir wollen, wovor wir uns aber gleichzeitig fürchten, dann hören wir auf unser Herz, wir sind uns selbst treu ungeachtet des Ergebnisses. Und das ist eine sehr wichtige Glücksquelle.

Eine unerwartete Glücksquelle

Was uns am Handeln und somit am Mutigsein glücklich macht, ist NICHT in erster Linie das Ergebnis unseres mutigen Handelns, sondern die Tatsache, dass wir unserem Herzen gefolgt sind.
Wir haben hingehört, was es uns zu sagen hat, wir akzeptieren es, erkennen es an und handeln danach. Und das unabhängig vom Ergebnis. Ungeachtet der Ungewissheit, die uns begegnet. Unabhängig davon was andere von uns denken, wollen oder erwarten und frei davon, ob der Weg zum Ziel einfach oder schwer ist, ob wir das Ergebnis bekommen, was wir uns wünschen oder nicht. Unser Handeln ist Ausdruck, dass wir unserem Herzen treu geblieben sind.
 
 

 

Was passiert, wenn du nicht handelst?

Indem wir nicht handeln, ersparen wir uns zwar einen vermeintlich“ negativen Ausgang“  fügen uns dadurch aber selbst  Verletzungen zu, indem wir nicht auf unser Herz hören. Uns nicht treu  sind.

Angenommen du handelst und es passiert tatsächlich etwas Schmerzhaftes.

Das ist mit Sicherheit alles andere als angenehm. Dennoch würde ich aufgrund meiner Erfahrungen sagen, dass es meist  trotzdem ist zu Handeln.

Wir müssen uns abgewöhnen in „gewinnen“ oder „verlieren“, in „siegen“ oder „scheitern“ zu denken. Das Leben ist nicht so schwarz-weiß.

Gerade schmerzliche Erlebnisse, halten die Möglichkeit bereit, wichtige Dinge zu lernen, die uns stärker, und unser Leben auf Dauer einfacher machen. Streiche die Kategorie des „Scheiterns“ aus deinem Leben und ersetze sie durch den Gedanken „Never a failure always a lesson“

Wir haben immer die Wahl ob wir aus einem Ereignis etwas Gutes oder etwas Schlechtes lernen wollen. Und wenn wir das einmal begriffen haben, dann können wir sozusagen gar nicht mehr scheitern,  wir können nur direkt zum gewünschten Ziel kommen oder etwas aus der Situation lernen, die wir uns nicht erhofft hatten.

Wichtig, hierbei geht es nicht darum immer postitiv zu sein! Wenn du schwierige Zeiten erlebst, ist es in Ordnung, sogar notwendig, deinen Schmerz zuzulassen und nicht zu unterdrücken. Am Ende geht es darum aus welchem Blickwinkel du diese Gefühle betrachtest. Welche Schlussfolgerungen du daraus ziehst. Verurteilst du dich oder hast du Mitgefühl mit dir selber? Bist du hoffnungsvoll oder verzweifelt?

Ein abschließender Gedanke: Wenn du nicht mehr scheitern kannst, sondern nur noch lernen, wovor hast du dann Angst?

 

 

 

Hinweis: Hier soll es NICHT um überlebenswichtige Ängste gehen, die uns beispielsweise davon abhalten, gefährlichen Tieren zu nahe zu kommen oder uns vor heiklen Situationen warnt. Hier geht es um Ängste, die uns unnötig im Weg stehen und uns davon abhalten, das Leben zu leben, was uns wirklich glücklich macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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