Dear Taiwan,

 

ich hab Fotografien von dir gesehen und ganz ehrlich? In dem Moment war es um mich geschehen. Nur eine Frage der Zeit, bis ich endlich im Flieger sitze, unterwegs in ein Land, was kaum einer auf der Karte zu finden vermag.  Ich blicke in verwirrte und ratlose Gesichter, was mich denn nach Taiwan treibt? Thailand ist doch fast genauso weit?
Doch eben das Unbekannte ist es, was mich an dir reizt. Du hast dich nicht für den westlichen Touristen schön gemacht und das gefällt mir ungemein, du versuchst nicht für mich, jemand anderes zu sein.

 

 

Ich schlendere gerne durch einen deiner 1000 Tempel, die daliegen in den buntesten Farben, mit den unverkennbaren Gerüchen von Räucherstäbchen, die durch die Lüfte wabern. Manchmal herrscht hier buntes Treiben, wie in einem Bienenstock, ein ander Mal ist keine Menschenseele dort. Ohnehin bin ich nicht selten der einzige Westler weit und breit.
Meist gibst du mir das Gefühl, nicht aufzufallen, obwohl ich das so offensichtlich tue. Und dann bist du wieder das genaue Gegenteil. Dann, wenn mich die Menschen um ein Selfie bitten, als hätte ich gerade die aktuelle Nr. 1 der Charts vom Thron geschmissen.

 

 

Deine Städte sind der reinste Schilderwald. Für noch eine Leuchtreklame schaffst du selbst Platz im  kleinsten Spalt. Drei Dinge gibt es in deinen Städten mehr, als Sand am Meer Imbissbuden, 7-elevens und öffentliche Toiletten. Der Mix aus alt und neu, aus hässlich und schön, ist manchmal etwas verwunderlich, in jedem Fall bist du alles andere als langweilig.

 

 

Ich stehe auf der Spitze des Teapot Mountain. Wohin man blickt, nichts als grüne Bergwipfel zu dessen Füßen die Wellen des Ozeans an Land tanzen. Ich bin glücklich, mehr kann ich nicht sagen. Dieser Moment hat mir die Sprache verschlagen. Hunderte Kilometer radel ich durch deine Straßen, Wälder und an der Küste entlang. Ich hatte vergessen, wie befreiend in die Pedale treten sein kann.

 

 

Einmal bin ich um die ganze Insel gereist und was soll ich sagen? Du lässt mich verwundert zurück, denn ich versteh kein Stück, warum kaum ein Reisender einen Gedanken an dich verschwendet . Denn du hast so ziemlich alles, was man sich nur wünschen kann. Und so fliege ich heim und dank dir für deine Zeit, nur du und ich, denn die anderen Reisenden interessierst du scheinbar viel zu wenig.

 

Claudia

 

 

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