Wie du aufhörst vor deinen Ängsten wegzulaufen

 

Nur wer aufhört vor seinen Ängsten davonzulaufen, kann sie auch loswerden.

Angst kann uns helfen, wenn wir sie verstehen, anstatt vor ihr wegzulaufen. Die Schwierigkeit dabei? Die Meisten von uns haben nie gelernt wie das geht, denn wir leben in einer Gesellschaft, die uns beibringt Angst zu meiden. Um dir Angst zum Verbündeten und nicht zum Feind zu machen,  hilft es zu verstehen, wie Angst überhaupt entsteht, alles dazu findest du ausführlich in Teil 1. Weiter zu Teil 3 geht es hier

Im nächsten Schritt, geht es darum, unsere eigenen Verhaltensmuster zu durchschauen. Wie sieht es aus, wenn wir vor unseren Ängsten weglaufen?

Damit die eigentliche Angst unentdeckt bleibt und wir uns nicht mit ihr auseinandersetzen müssen, gibt es drei besonders häufig genutzte Verhaltensweisen.

 

Cover up Stories

Handlungen + Gedanken, die das Ego stärken

Scham

 

Cover-up Stories:

Bei Cover-up Stories erfinden wir Geschichten, um unsere eigentliche Angst zu verschleiern. Am Ende halten wir diese erfundenen Geschichten dann oftmals für wahr.

Stell dir vor du hast Angst, nicht gut genug für deinen Partner zu sein. Eine Cover-up Story könnte hier so aussehen: Du redest dir ein, dass die Beziehung vielleicht doch gar nicht so toll ist, verschließt dich dem Anderen gegenüber unbewusst immer mehr, die Beziehung leidet darunter. Solange bis du zu dem Schluss kommst, ihr passt einfach nicht zusammen. Du trennst dich. Damit hat die Angst nicht gut genug zu sein erreicht, was sie will, sie bleibt unentdeckt. Du hingegen glaubst, dass du durch die Trennung dein Problem gelöst hast.. Und genau hier wird es kompliziert.

Wir glauben unsere eigenen Lügen und deshalb setzen wir bei unseren Problemlösungsversuchen auch immer wieder bei dieser Lüge an und kommen keinen Schritt weiter. Es ist ungefähr so, als wäre bei einem Auto der Motor kaputt und wir beschließen stattdessen die Reifen zu reparieren, um den Wagen wieder zum Laufen zu bringen -> Das Vorhaben ist schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

 

Paradoxerweise haben wir oft sogar Angst vor unseren eigenen Träumen/Wünschen. Denn auf der einen Seite wollen wir nichts mehr, auf der anderen Seite können bestimmte Träume ganz schön angsteinflößend sein. Je größer der Traum, desto größer die Fallhöhe. Wenn wir uns den damit einhergehenden Ängsten nicht stellen wollen, versuchen wir uns stattdessen, unsere Träume wieder auszureden. Nach dem Motto „ eigentlich wollte ich es ja nicht wirklich“ etc.

Wenn du dem Kreislauf der Cover-up Stories entkommen willst, fang an deine „Geschichten“ genauer zu beobachten, sie zu hinterfragen. Der erste Schritt ist, ehrlich zu dir selbst zu sein, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Aber egal wie abstrus, verrückt oder schmerzhaft diese Wahrheit auch sein mag, schäme dich nicht dafür, hab Mitgefühl und Geduld mit dir selbst anstatt dich zu verurteilen.

 

Handlungen + Gedanken, die das Ego stärken

Im ersten Post ging es unter anderem darum, dass wir Angst empfinden, wenn unser Herz und unser Ego unterschiedliche Dinge wollen. Mehr dazu hier.

Unser Herz weiß um unsere Stärken, es weiß was uns gut tut und was wir wirklich wollen. Säße unser Herz immer am Steuer, würde uns so manches Drama erspart bleiben, dummerweise greift das Ego immer wieder ins Lenkrad oder fährt gleich selbst.

Je schwächer das Ego, desto schwächer der Konflikt zwischen Herz und Ego und umso einfacher ist es ein Leben aus vollem Herzen zu führen. Wer wissen will, wie man sein Ego schwächt, muss verstehen, was es stark macht und wie es uns kontrolliert.

 

Das Ego ist ein kleiner Kontrollfreak.

 

Das Herz setzt auf Hoffnung und Vertrauen, davon hält das Ego so gar nichts und gibt sein Bestes, diese beiden Kontrahenten auszuschalten.

Kennst du das Gefühl, dass du es gar nicht wagst zu vertrauen? Dich nicht traust zu hoffen? Denn da ist dieser Schmerz, diese Traurigkeit, die diese Gefühle umgibt. Ich glaube jeder kennt Momente, in denen Hoffnungen zunichte gemacht und Vertrauen enttäuscht wurde. Hier springt das Ego ein und rattert uns in Endlosschleife vor „Vertrauen und Hoffnung lohnen sich nicht, du wirst eh enttäuscht, bereite dich besser vor, sorge dafür, dass du nie wieder so verletzt wirst“. Und ja, vielleicht werden wir tatsächlich nie wieder so verletzt, wenn wir auf das Ego hören, wir werden aber auch nie wieder so tiefe Freude oder so tiefes Glück empfinden, denn Vertrauen und Hoffnung sind ein essentieller Teil unseres Selbst und diesen zu verleumden schmerzt.  Durch seinen einseitigen Fokus auf das Schlechte, verliert das Ego  völlig aus den Augen, wie sehr wir Hoffnung und Vertrauen brauchen, um glücklich zu sein, um mutig zu sein und um unsere Ängste zu überwinden.

 

 

Hier noch ein paar weitere Unterschiede zwischen Ego und Herz, die dir helfen zu erkennen, wer gerade am Steuer sitzt.

Das Ego verurteilt, das Herz hat Mitgefühl. Das Ego steckt alles in Schubladen, presst in Formen, kategorisiert nach Richtig und Falsch, das Herz lässt einen einfach sein.

Das Ego behauptet, dass deine Vergangenheit die Zukunft bestimmt, dein Herz weiß, dass du im JETZT die Zukunft bestimmst.

Und vielleicht die stärkste Waffe des Egos: Scham.

 

 

Scham

Scham hält uns in Schach und verhindert, dass wir uns als die Person offenbaren, die wir wirklich sind und uns verletzlich zeigen. Wir verleumden uns, weil wir glauben, dass wir anders sind, dass irgendetwas mit uns nicht stimmt, das wir falsch sind. Und Menschen tun alles, wirklich alles, um zu verhindern, dass das jemand herausfindet.

Kurz gesagt, Scham verhindert eine Auseinandersetzung mit unseren Ängsten und vertuscht sie stattdessen. Es gaukelt uns vor, dass wofür auch immer wir uns schämen, sei unveränderlich, uns bliebe also gar nichts anderes übrig als das zu verstecken wofür wir uns schämen.

 

Wenn es um Scham geht, ist es wichtig den Unterschied zwischen „Sein“ und „Tun“ zu verstehen. Wer sich schämt, denkt z.B „Ich bin falsch“, als handle es sich um eine unveränderliche Charaktereigenschaft und verhindert so, dass wir handeln. Wer hingegen denkt „Ich habe etwas Falsches getan“, ist viele eher bereit, ins Handeln zu kommen.

Dir muss klar werden: Du bist nicht deine Fehler. Du bist nicht die Fehler deiner Familie. Du bist nicht falsch, nur weil du nicht genauso bist wie alle Anderen.

Scham hat nur dann Macht über uns, wenn wir uns nicht selbst akzeptieren.

 

 

 

Wer sich schämt, urteilt nicht nur über sich selbst (akzeptiert sich also nicht), sondern fürchtet auch das Urteil der Anderen. Wir fürchten uns, weil wir Andere entscheiden lassen, ob wir „falsch“ oder „richtig“ sind. Ironischerweise bangen wir um unsere Zugehörigkeit zu einer Gruppe, dessen Zugehörigkeit nicht darauf basiert, wer wir sind, sondern, wer wir vorgeben zu sein.

Scham verliert seine Macht, indem wir begreifen, dass wir nicht das „sind“ wofür wir uns schämen und indem wir uns selbst akzeptieren und unsere verletzliche Seite zeigen, anstatt sie zu verstecken.

Wer sich akzeptiert, so wie er gerade ist, mit all den schönen und weniger schönen Seiten, der macht die Scham sozusagen arbeitslos. Der hat weniger Angst seine wahren Gefühle und Bedürfnisse zu kommunizieren (und somit auch seine Verletzlichkeit zu zeigen). Denn diese Person lässt nicht den Anderen darüber entscheiden, ob er „falsch“ oder „richtig“ ist , er hat diese Entscheidung bereits für sich selbst getroffen. Er denkt: „Ich bin ok, auch wenn ich Fehler mache“.

Sein Selbstwert hängt also nicht von dem Urteil eines anderen Menschen ab, daher kann er auch angstfreier über schambehaftete Themen sprechen.

Was nicht heißt, dass es einem solchen Menschen egal ist, was Andere denken. Nur seine Gedanken bezüglich einer Ablehnung durch eine andere Person sind fundamental anders, als die Gedanken die jemand hat, der sich nicht akzeptiert.

Stell dir vor, jemand offenbart seine verletzliche Seite und erfährt eine negative Reaktion darauf. Beide, sowohl derjenige der sich akzeptiert, als auch derjenige der sich nicht akzeptiert, sind möglicherweise traurig und verletzt deswegen. Wichtig ist aber WARUM sie so fühlen.

Wer sich nicht akzeptiert ist verletzt, weil er glaubt falsch und nicht liebenswert zu sein. Der Selbstwert leidet.

Wer sich hingegen akzeptiert, ist verletzt/traurig, weil er erkennt, dass eine Person, von der er eine höhere Meinung hatte, nicht in der Lage ist, angemessen und respektvoll mit dem ihm entgegengebrachten Vertrauen umzugehen. Er hält sich nicht für falsch, weil er abgelehnt wurde, es ändert nichts an seinem Selbstwert.

 

zu Teil 3

Willst auf dem Laufenden bleiben? Dann folge mir auf facebook oder abonniere meinen Newsletter.