Dear Lisbon – Teil 2

 

“Ein Brief an…” ist eine Serie von etwas anderen Reiseberichten. Hier geht es weniger um Sehenswürdigkeiten, als vielmehr darum, welches Gefühl eine Stadt in einem hinterlässt. Die Serie begann vor etwas mehr als drei Jahren mit dem Brief “Dear Lisbon“, hier ist nun die Fortsetzung.

Dear Lisbon,

als wir uns wiedersehen, bin ich kurz geschockt, muss ich gestehen. Beinah seh ich hier mehr Tuk-Tuks als auf Bangkoks Straßen.
Wo kommen plötzlich all die Leute her? Früher waren meine Lieblingsorte im Winter menschenleer.
So muss ich dich wiederentdecken, find nach all den Jahren immer noch unentdeckte Ecken.

Ich bin erleichtert, du hast deinen Zauber nicht verloren. Ich liebe sie, deine bunten Straßen, überall Kunst wohin das Auge blickt oder “pura poesia”, ein Schriftzug, der mir von fast jeder Straßenecke entgegenblickt. Deine Häuser eingekleidet in den farbenfrohsten Fliesen. Mit Streetart hauchst du alten Fassaden neues Leben ein. Ohnehin bist du alles andere als Einheitsbrei, was die anderen denken ist dir einerlei.

Estoril Coffee drwaing

Diesmal bleib ich länger hier, einen Monat du und ich, nur wir.
Meine Wohnung ist nur über hunderte von Treppenstufen zu erreichen, da kann ich das Fitnessstudio guten Gewissens streichen. Mitten in der Großstadt werd ich morgens vom Hahn geweckt. Ich frag mich noch bis heute, wo der sich versteckt.
Kaffee kochen kannst du, das muss man dir lassen und was gibt es besseres, als eine Pause an einem deiner unzähligen Aussichtspunkte zu machen?
Manchmal hör ich sie, die Fado Musik in deinen Gassen, ich kann sie spüren, die Sehnsucht in jeder Melodie, jedes Lied voll unendlicher Melancholie. Alle erzählen sie Geschichten des Vermissens, meist versteh ich nichts von deinem Gesang und doch fühle ich, was du sagen willst in jedem Wort.

Azulejo

Es sind die kleinen Dinge, mit denen du mich verzauberst. Das Gespräch mit der Verkäuferin im Laden um die Ecke oder die Abende, an denen ich mit neuen Freunden die Stadt entdecke. Sie bringen mir ein wenig Portugiesisch bei, was bei mir am Ende immer spanisch klingt. Ich muss herzlich Lachen, bei dem verzweifelten Versuch, all diese Zischlaute zu machen.

Reisebericht Lissabon Reisebericht Lissabon

Du ziehst mir das Geld aus den Taschen, mit all deinen köstlichen Sachen. Ich schlemme mich durch deine Restaurants, ohne jemals ein schlechtes zu finden. Ich wandere ziellos durch deine Straßen, denn das tu ich am liebsten, dich immer wieder neu zu entdecken. Du bist nie fertig, ständig im Wandel, eine bitter-süße Mischung, ein unaufhörliches Entdecken.
Aber am Ende des Tages bleibt eines immer gleich, mein Weg hinunter zum Fluss, wo ich der Sonne beim Versinken im Fluss zuschauen muss.

Bis bald,

Claudia

 

Skizzenbuch: Die Zeichnungen zu diesem Blogpost stammen aus meinem Skizzenbuch. Wenn du noch mehr Lust auf Skizzen aus aller Welt hast, freue ich mich, wenn du meiner Facebook Kunstseite folgst.
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