Glück ist eine Form von Mut

Dieser Post erschien vor zwei Jahren als Gastbeitrag auf einem Blog, den es heute leider nicht mehr gibt. Da mir der Text aber sehr am herzen liegt, habe ich ihn noch einmal ganz überarbeitet und hier ist nun die neue Version.

 

Glück ist eine Form von Mut

Zufällig stolpere ich über diesen Satz und bin sofort gefesselt. “Ja! Absolut, keine Frage, genauso ist es!”, denke ich. Dabei habe ich bis zu diesem Augenblick nie wirklich über den Zusammenhang von Mut und Glück nachgedacht. Doch dieser Satz bringt etwas in mir zum Klingen, als hätte mir jemand eine Zauberformel verraten, dessen Tragweite ich erst noch begreifen muss. Je länger meine Gedanken um diesen Satz kreisen, desto klarer wird mir, wie eng Glück und Mut in meinem Leben zusammenhängen.

Inzwischen habe ich fast 30 Länder alleine bereist. Diese Erfahrungen haben mein Leben auf so viele Weisen verändert und mir das Selbstvertrauen gegeben, das mir lange fehlte. Aber am Anfang stand Mut. Als ich das erste Mal für eine lange Reise alleine ins Flugzeug stieg war da so viel Ungewissheit, die Angst vor dem Unbekannten und Familie und Freunde, die das Alleinereisen nicht gerade für die Idee des Jahrhunderts hielten. Ja, ich hätte einfach zu Hause bleiben können, aber da war etwas in mir, das mutig sein wollte, nein musste! Und so stieg ich in dieses Flugzeug.

Mut steckt in jedem von uns. Mut ist wie ein Vulkan, er brodelt ständig unter der Oberfläche und will ausbrechen. Doch viele Menschen geben sich allergrößte Mühe, dass das nicht passiert, dabei würde uns ein Mutausbruch mehr als guttun.

Aber was genau hat Glück mit Mut zu tun? Und wie fällt es uns leichter mutig zu sein?

Wenn wir mutig leben, leben wir authentisch und das macht glücklich.

“Courage” das englische Wort für Mut, ist auf das Wort cor, lateinisch für Herz, zurückzuführen. In eine seiner frühesten Formen bedeutete courage nach Brené Brown: “To speak one’s mind by telling all one’s heart.” Und auch auf Deutsch findet man eine solche Verbindung. Schlägt man z.B  “beherzt” im Duden nach, so wird es mit “mutig sein” definiert.  Mut ist, nach der Wahrheit in unserem Herzen zu leben, unsere eigenen Wünsche und Gefühle als echt anzuerkennen und das ungeachtet der Ungewissheit, die uns begegnet. Unabhängig davon was andere von uns denken, wollen oder erwarten und frei davon, ob der Weg zum Ziel einfach oder schwer ist, ob wir das Ergebnis bekommen, was wir uns wünschen oder nicht.

Die Autorin Catrina Davies bringt es auf den Punkt:  Mut bedeute, mit ganzem Herzen seine eigene Geschichte zu erzählen, mit ganzem Herzen man selbst zu sein.

Was uns am Mutigsein glücklich macht, ist also NICHT in erster Linie das Ergebnis unseres mutigen Handelns, sondern die Tatsache, dass wir unserem Herzen gefolgt sind.

Wir haben hingehört, was es uns zu sagen hat, wir akzeptieren es, erkennen es an und handeln danach. Das Faszinierende: mutig sein macht selbst dann glücklich, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Glück nur im Ergebnis unserer Handlung liegt und begreifen, das Glück in dem Moment beginnt, indem wir nach unserem Herzen handeln.  Denn am Ende ist Mut nichts anderes, als ein Ausdruck von Selbstliebe.

Das heißt nicht, dass wir keine Angst mehr haben dürfen, im Gegenteil. Wir haben Angst, weil es wirklich um etwas geht und weil wir keine Ahnung haben, was uns erwartet. Doch irgendwann trifft uns die Erkenntnis, dass wenn wir leben und nicht nur existieren wollen, gar keine andere Wahl haben als mutig zu sein und darauf zu vertrauen, dass egal was passiert, wir damit umgehen können. Wer sich für die Angst entscheidet, entscheidet sich zwar für die vermeintliche Sicherheit, aber nie für sein Herz.

Wer seiner inneren Stimme folgt, geht jedoch keinesfalls einen Weg ohne Hindernisse. Notizhefte und Skizzenbücher begleiten mich seit Jahren und so war es folgerichtig, dass ich das Schreiben und die Kunst zu meinem Beruf machte. Aber wie das so ist mit der Kunst, die einen lieben es, die anderen finden es banal. Ich erinnere mich noch, als ich zum ersten Mal versuchte meine Bilder auf einem Markt zu verkaufen. Kaum jemand kaufte etwas und als ich am Abend nach Hause kam, hätte ich am liebsten alles hingeschmissen, all die hunderten Stunden Arbeit für NICHTS, dachte ich. Und das tat weh.

Wer im Schreiben und der Kunst Fuß fassen will, muss vor allem eins: immer einmal mehr aufstehen, als er hingefallen ist. Wenn Künstler glauben würden, ihr Mut, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren lohne sich nur, wenn sie damit erfolgreich seien, dann gäbe es keine Künstler mehr, denn alle würden viel zu früh aufgeben. Natürlich hatte ich mir die Ausstellung auf dem Markt damals anders vorgestellt und dennoch war ich am Ende froh, dass ich den Mut hatte es zu versuchen. Aufstehen, Krone richten weitermachen. Denn wer genau hinsieht, erkennt, dass wir ohnehin keine Wahl haben. Wir tun was wir lieben, weil wir nicht anders können. Hätte ich damals aufgegeben, würde ich heute nicht regelmäßig meine Illustrationen verkaufen (mehr über meine Illustrationen hier)

Wenn etwas echt ist, dann können wir nicht weglaufen. Egal wie oft wir hinfallen, egal wie viele 1000 Stimmen sagen, dass es keinen Sinn hat und egal wie gerne wir einfach vergessen möchten, dass unser Herz für etwas schlägt. Unser Herz wird all unsere Einwände gelassen ignorieren, egal, wie sehr wir uns bemühen, unsere Wünsche zu unterdrücken.

 

Mut ist Übungssache

Je öfter wir unserem Herzen folgen, desto einfacher wird es. Unsere Komfortzone erweitert sich auf diese Weise ständig, ihre Grenzen sind stets in Bewegung. Denn, wer mutig ist, lernt vor allem eins sehr schnell:  auf sich selbst zu vertrauen und selbst schwierige Situationen zu meistern.

So ist das Alleinreisen für mich inzwischen das Normalste der Welt. Ich habe auf Reisen unzählige, einzigartige Momente erlebt, habe wunderbare Menschen getroffen und unendlich viel gelernt. Aber ich lag auch in Vietnam, mitten im Nirgendwo, alleine krank im Bett, musste meine komplette Reiseplanung über den Haufen werfen oder wurde von Kakerlaken oder Bettwanzen im Zimmer überrascht. Ja, das sind die weniger schönen Momente, aber es hat mich nie daran zweifeln lassen, dass es die richtige Entscheidung war, auf Reisen zu gehen. Im Gegenteil, gerade durch die weniger schönen Momente habe ich gelernt, dass ich viel mehr kann als ich dachte. In schwierigen Situationen wachsen wir und stärken das Vertrauen in uns selbst.

Wie du herausfindest, was du willst

Mut hilft dir zu realisieren, was du wirklich willst. Wir haben viele Träume, aber nicht alle sind unsere eigenen, doch oft ist uns das nicht bewusst. Vielleicht merken wir gar nicht, dass wir gerade den Traum unserer Eltern träumen oder einem Medienideal genügen wollen, was gar nicht unsers ist. Wenn wir von Träumen ins Machen kommen, merken wir schnell, an was uns wirklich am Herzen liegt. Nehmen wir das Schreiben. Wenn dein Herz leidenschaftlich dafür schlägt, Geschichten auf Papier zu bringen, dann wirst du die Rückschläge auf dem Weg in Kauf nehmen, ohne das Schreiben deshalb weniger zu lieben. Wenn du hingegen nur schreibst, weil dir irgendwer einmal diese fixe Idee in den Kopf gesetzt hat, ein berühmter Autor zu sein, dann wirst du schnell den Spaß verlieren und aufgeben.

Du findest heraus, was du willst, indem du herausfindest was du nicht willst.  Ich habe einmal ein Praktikum beim Radio gemacht, weil ich dachte, das wäre etwas für mich. Es hat sich jedoch schnell herausgestellt, dass dem nicht so war.  Anstatt diese Erfahrung als vertane Zeit zu sehen, war ich dankbar, dass ich daraus gelernt hatte, was ich nicht wollte. Hätte ich es nie versucht, würde ich vielleicht heute noch davon träumen beim Radio zu arbeiten.

Mut im Alltag

Wenn wir an Mut denken, dann kommen uns oft als erstes die Verwirklichung unserer großen Ziele in den Sinn. Dabei übersehen wir oft die vermeintlich kleinen, alltäglichen Dinge, die ebenfalls Mut erfordern, wie anderen Grenzen zu setzen und die eigenen Grenzen zu respektieren. Sich einem anderen Menschen gegenüber verletzlich und authentisch zeigen; seine Meinung zu sagen oder jemandem seine Gefühle zu gestehen. Auch positive Gedanken, negativen vorzuziehen, ist mutig, denn oft ist es einfacher, sich dem Selbstmitleid hinzugeben. Ebenfalls erfordert es Mut, genau das zu tun, worauf man gerade Lust hat.

Zum Beispiel, du möchtest gerne essen gehen und dann ins Kino, aber keiner will mit? Dann geh einfach alleine! Beim ersten Mal wird es dir ein wenig komisch vorkommen, aber bald wirst du deine eigene Gesellschaft viel mehr zu schätzen wissen und dich fragen, warum hab ich das nicht schon früher mal gemacht.
Mut sind nicht immer die großen Dinge, manchmal ist es auch einfach nur die leise Stimme am Ende des Tages die sagt, ich versuche es morgen noch einmal.

Es gehört auch sehr viel Mut dazu, Schmerzen zuzulassen anstatt sie zu verdrängen.  Auch wenn es  ein wenig paradox klingt,  es tut gut, den Schmerz zuzulassen. Denn das Herz sagt, der Schmerz ist echt, es fordert ein, dass du ihn anerkennst, weil es gleichzeitig bedeutet, deine Gefühle im allgemeinen anzuerkennen, und ihr Urteil ernst zu nehmen. Denn wenn du durch Verdrängung deinem Herzen suggerierst, dass das was es fühlt nicht echt ist, dann kannst du irgendwann bei positiven Gefühlen auch nicht mehr auf es zählen, weil du ihm die ganze Zeit beigebracht hast, dass was es fühlt zu betäuben und nicht ernst zu nehmen.

Sei mutig! Ist immer einfach gesagt, aber nicht immer so einfach getan. Wie also kannst du mutiger werden?

– Verändere deine Perspektive. Oft tun wir Dinge nicht, weil wir Angst haben, dass es nicht so läuft, wie wir erhoffen. Wenn du aber anfängst, Dinge die schief gehen, nicht als Katastrophe zu betrachten, sondern als eine Möglichkeit zu lernen, daran zu wachsen und mit mehr Selbstvertrauen daraus hervor zu gehen, verliert die Angst ihre Macht.

– Das Gegenteil von Angst, ist für mich Vertrauen. Hab Vertrauen, dass dein Herz weiß was gut für dich ist und gib dir einen Vertrauensvorschuss, glaub mir, du kannst viel mehr Dinge meistern, als du selbst glaubst.

– Nimm dir den Druck perfekt sein zu wollen, keine Fehler zu machen und alles zu kontrollieren. Henry Ford sagte einmal „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ Viele geben also bereits auf, bevor sie überhaupt angefangen haben, weil sie glauben für den Weg, der vor ihnen liegt, nicht gewappnet zu sein. Oder anders gesagt, sie haben nicht das Wissen, das es für den Weg braucht. Die meisten vergessen dabei, dass das vollkommen in Ordnung ist, dieses Wissen nicht zu haben. Denn dafür ist schließlich der Weg da, um genau dieses Wissen zu erwerben. Mutig sein bedeutet auch immer etwas Neues zu lernen und man kann nur dann lernen, wenn man etwas NICHT weiß. Als du in der Schule angefangen hast Englisch zu lernen, bist du ja auch nicht davon ausgegangen, dass du die Sprache am nächsten Tag perfekt sprichst und nur Einsen schreibst.

 

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