Die Berechnung des Glücks

If who you are in private is greatly different from who you are in the world, measure that gap and that is the calculation of your unhappiness – Emma Magenta

 

 

Vor einiger Zeit bin ich über dieses Zitat gestolpert und etwas hat klick gemacht. Ich wusste, darüber muss ich schreiben, nur über was genau? Das war die Frage. Für mich geht es bei diesem Zitat letztendlich darum:

Wer glücklich sein will, muss lernen, sich seiner eigenen Wahrheit bewusst zu werden und für diese einzustehen, ungeachtet dessen, was andere denken.

Ungeachtet dessen, ob dein Handeln das erhoffte Ergebnis bringt oder nicht. Selbst dann noch für dich einzustehen, wenn alle anderen dich für verrückt halten und dein Vorhaben vollkommen unmöglich scheint. Deine Wahrheiten nicht den Prioritäten der Gesellschaft zu opfern, will gelernt sein.

Jeder von uns, hat seine eigene innere Wahrheit, spürt intuitiv, was er will, was ihm guttut. Dieser inneren Stimme zu vertrauen, ihr zu folgen, unsere Wahrheit zu leben ist das was uns glücklich macht. Was uns unentwegt lächeln lässt, was uns in die Lage versetzt all die Möglichkeiten und die Schönheit um uns herum wahrzunehmen. Ironischerweise vertrauen wir jedoch meist nicht auf unsere Wahrheit, sondern suchen ständig nach Orientierung in unserem Umfeld und folgen ihr nicht selten. Nur um uns anschließend zu wundern, warum wir unglücklich sind. Unsere Wahrheit ist besser als jeder andere Kompass.

 

Das Hindernis

Uns wird relativ früh beigebracht, dass unsere innere Stimme nicht wichtig ist, unsere Wahrheit verliert an Bedeutung und wird anderen Prioritäten untergeordnet.

Folge: Der Mensch wird zu dem, was er am meisten übt. Je häufiger wir unsere Wahrheit negieren, desto leichter fällt es uns. Umso selbstverständlicher wird es, unsere Unwahrheiten zu leben. Viele handeln gar so konsequent und routiniert gegen sich selbst, dass sie es gar nicht mehr merken. All das heißt nicht, dass unsere eigene Wahrheit aufhört zu existieren oder wir unterbewusst nicht merken, dass wir gegen uns handeln.

Das Problem..

Irgendwann ist es so leicht eine Unwahrheit zu leben, dass für uns selbst einzustehen plötzlich die größte Herausforderung ist. Während Kinder noch ohne zu zögern ihre eigene Wahrheit leben, fühlen wir uns als Erwachsene nicht selten von dieser Aufgabe überfordert.

Uns scheint es viel einfacher bei einer Auseinandersetzung, beleidigt zu sein, abzublocken und den anderen zu verurteilen, als den Mut zu finden, unsere eigene Wahrheit auszusprechen und dem anderen unsere Verletzlichkeit zu offenbaren. Auch wenn wir es vielleicht nicht merken, es schmerzt, nicht den Mut zu finden, dem anderen unser wahres Ich zu zeigen.

Es gibt unendlich viele Situationen, in denen es uns leichter fällt eine Lüge zu leben, als die Wahrheit. So scheint es einfacher, sich anzupassen, als aus der Reihe zu tanzen.

Es scheint einfacher, all den Pessimisten und Angsthasen zu glauben und seine Träume aufzugeben, anstatt den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Es scheint einfacher als hinzufallen und immer wieder aufzustehen. Davon kann ich ein Lied singen. Ob als Frau alleine die Welt zu bereisen oder einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, viele halten das für eine dumme Idee. Gegenwind gehört zur Tagesordnung und Sätze wie, „mach doch lieber was Vernünftiges“ laufen in Dauerschleife. Und ja, es ist tatsächlich bisweilen ein harter Kampf, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Und dennoch geht mir das Kämpfen meist erstaunlich leicht von der Hand, weil ich etwas tue, was ich liebe, in dem ich mich selbst verwirkliche und so aus einer endlosen Motivation schöpfen kann.

 

 

Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, seine Wahrheit zu leben. Genau das mit meinem Leben anzufangen, was sich richtig anfühlt. Denn irgendwann erreicht man den Punkt an dem man begreift, wie sehr es einen glücklich macht, für sich selbst einzustehen. Ab dann ist es plötzlich nicht mehr wichtig, was andere denken. Man zerbricht sich nicht mehr den Kopf, wenn man aus der Reihe tanzt, denn das Glücksgefühl man selbst zu sein, ist unbezahlbar. Und man versteht, dass man nirgendwo reinpassen muss, um sich zugehörig zu fühlen. Seine Wahrheit zu leben ist ultimative Freiheit.

You only are free when you realize you belong no place — you belong every place — no place at all.  – Maya Angelou

Seine Wahrheit zu leben, heißt nicht, dass es uns nie mehr schlecht gehen wird. Dinge werden weiterhin schieflaufen. Aber schwere Zeiten werden leichter, wenn wir auch in ihnen auf unsere innere Stimme hören. Wenn wir unsere Emotionen zulassen und ausleben, auch wenn andere das für unangemessen halten. Denn wer seine Trauer und Verletzungen nicht anerkennt und seinen Schmerz nicht zulässt, der spricht indirekt seinem Herzen die Urteilsfähigkeit ab. Unterstellt ihm, dass es doch keine Ahnung hat, bis wir irgendwann auch bei positiven Emotionen nicht mehr auf sein Urteil vertrauen.

 

 

Viele Menschen sind so darauf trainiert, nicht auf ihre Wahrheit zu hören, dass sie gewillt sind, die unangenehmsten Situationen zu ertragen, aus falsch verstandener Höflichkeit, Pflichtgefühl und Angst. Und dabei geht es nicht nur um die großen Entscheidungen im Leben, sondern vor allem um die kleinen Momente, die wir jeden Tag erleben, in denen wir das Gefühl haben, wir sollten etwas tun oder jemand sein, der wir nicht sind.

Je häufiger wir jedoch für unsere Wahrheit einstehen, desto einfacher wird es. Wie so ziemlich alles: eine Frage der Übung.

Was passiert eigentlich in uns, wenn wir gegen unsere innere Stimme handeln? Wir fügen uns ständig unbewusst Leid zu. Denn unserem Unterbewusstsein entgeht nicht, dass wir gerade etwas tun, was uns nicht guttut. Womöglich verurteilen wir uns für unser eigenes Verhalten, anstatt uns mit Mitgefühl zu begegnen. Bis wir uns irgendwann so sehr für unser Verhalten schämen, dass wir uns lieber weiter selbst verleugnen, als uns damit auseinander zu setzen. An diesem Punkt glauben wir unserer eigenen Lüge, glauben, dass wir nicht stark, nicht mutig genug sind, wir glauben schlichtweg nicht genug zu sein. Wir haben die Verbindung zu unserer Wahrheit verloren, denn die würde uns genau das Gegenteil erzählen. Sie weiß ohne jeden Zweifel um unsere Stärke, weiß, dass wir selbst die schwierigsten Situationen bewältigen können. Die Wahrheit weiß, dass wir mitfühlend und mutig  sind.

 

 

Wie kommt es dazu, dass die eigene Wahrheit oft in Vergessenheit gerät?

Über falsche Prioritäten, Ängste und andere Irrglauben

Wie oft hast du das Bedürfnis nach Sicherheit der Verwirklichung deiner Träume übergeordnet? Wann hast du das letzte Mal darauf verzichtet, dich selbst zu verwirklichen, weil die Angst zu groß und das Bedürfnis nach Sicherheit zu stark war?

Ja, wir kriegen schon ganz früh eingetrichtert, dass Sicherheit wichtiger ist, als Selbstverwirklichung.

Unter dem Slogan „wer Sicherheit wählt, wird nicht verletzt und wird nicht scheitern. Sicherheit = Glück “ gibt jede Generation ihr Bestes, es an die folgende weiterzureichen. Wie die meisten Werbeslogans, ist auch das gelogen und nicht wenige brauchen ihr halbes oder ganzes Leben, um das rauszufinden. Und für die, die sich nichts unter Sicherheit vorstellen können, gibt es gleich noch ein paar Beispiele frei Haus: angesehene Ausbildung + guter Verdienst, das eigene Haus, die Ehe, immer schön an der Masse orientieren und nicht sein eigenes Ding machen etc.

Stellt sich die Frage, warum genug Menschen diese vermeintlichen Sicherheiten besitzen, einige davon glücklich sind und die anderen todunglücklich.

 

 

Wir neigen dazu, zu glauben, dass das Ergebnis unseres Handelns für unser Glück verantwortlich ist. Wir halten das Ergebnis für wichtiger, als all die Momente, die uns zu diesem Ergebnis führen. Dabei ist das Ergebnis nicht so wichtig. Viel entscheidender für unser Glück ist, ob wir den Weg mögen, der zum Ziel führt.

Wenn uns die Momente auf dem Weg zum Ziel zuwider sind, macht uns auch das Ergebnis nicht glücklich. Ein gut bezahlter und angesehener Job macht uns nur dann zufrieden, wenn wir ihn auch gerne ausüben. Eine Ehe macht uns nur glücklich, wenn wir uns selbst und den anderen lieben und nicht, wenn wir uns dafür entscheiden, weil wir sie als Absicherung gegen Einsamkeit begreifen und den Partner als Bedürfniserfüller sehen.

Weiterhin lohnt es sich einmal darüber nachzudenken, was wir wirklich meinen, wenn wir von Sicherheit sprechen. Nicht selten verstehen viele darunter Unbekanntes, Unberechenbares, nicht Planbares zu meiden und auf immer und ewig in unserer Komfortzone zu bleiben. Die eigene Wahrheit zu leben verlangt aber oft genau das Gegenteil von uns. Nach unserer Wahrheit zu handeln, hilft uns, uns selbst zu erkennen. Nur wie sollen wir unsere Stärke erkennen, unseren Mut sehen etc. , wenn wir es stets vermeiden, uns in Situationen zu begeben, in denen wir diese unter Beweis stellen können?

Was mir immer wieder auffällt, Menschen, die ihre Wahrheit verfolgen, stoßen häufiger auf Ablehnung oder Widerstand. Warum? Jemand der seine Wahrheit lebt, fordert damit indirekt auch andere heraus dasselbe zu tun. Aber viele scheuen diese Herausforderung, fürchten sie gar und geben sich deshalb besonders viel Mühe andere klein zu halten, sie davon abzuhalten, ihre Stärke zu entdecken.

 

Wie schaffst du es in Zukunft, besser auf deine Wahrheit, auf deine innere Stimme zu hören?

  • Allein das Bewusstsein zu schaffen, warum wir unsere Wahrheit oft ignorieren, ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung
  • Frage dich in welchen Situationen du dich unwohl fühlst, nicht selten, ist das ein guter Hinweis, dass du hier nicht auf deine innere Stimme hörst.
  • VERTRAUEN ist das Schlüsselwort, wenn es um dieses Thema geht. Du musst darauf vertrauen, dass deine Wahrheit den ultimativen Masterplan für dein Leben kennt und darauf vertrauen, dass deine Wahrheit dir nichts zumutet, was du nicht meistern kannst.
  • Verurteile dich nicht ständig selbst, wenn mal wieder was schiefläuft, übe auch dir selbst gegenüber Mitgefühl zu zeigen.

 

Dieser Post ist eine Fortsetzung meines Gastartikels Glück ist eine Form von Mut